Wasserkennzahlen als wichtige Risikoposition

“Fachleute fordern mehr Einblick in den Wasserverbrauch” – so berichtete die Tageszeitung Der Standard im Mai 2026 angesichts historisch niedriger Grundwasserstände in Österreich. Doch was wird eigentlich konkret gefordert? Warum sollte man selbst als Unternehmen einen genaueren Blick auf den eigenen Wasserverbrauch werfen und in welchem Zusammenhang steht dies mit einem Nachhaltigkeitsbericht?

Transparenz bei Wasserkennzahlen

Wie so oft geht es um Transparenz: Wer wie viel Wasser verbraucht, wo es entnommen wird und in welchem Zusammenhang das mit dem Geschäftsmodell steht. Genau bei diesen Fragen setzt ein Nachhaltigkeitsbericht an. Dieser ist das Instrument, das unter anderem diese Wasserkennzahlen strukturiert erfasst und in einen größeren Kontext stellt. Der Bericht ist dabei kein Selbstzweck oder gar ein unnötiger bürokratischer Aufwand, sondern die Informationsbasis im Hinblick auf Risiken.

Ein wichtiger Punkt ist nämlich: rund 70 % des Wasserverbrauchs in Österreich entfallen auf Industrie und Gewerbe. Wasser ist damit enorm wichtig für die Wirtschaft. Fehlt dieses Wasser, so ist dies ein Risikofaktor – und Trockenheit wird zum entscheidenden Thema. Denn was heißt das, dass die Industrie viel Wasser benötigt und gleichzeitig Wasser knapper wird?

Genau hier setzt die Frage nach Steuerung und Transparenz an: Ohne ein klares Verständnis darüber, wie viel Wasser im eigenen Unternehmen tatsächlich benötigt wird und wie kritisch diese Abhängigkeit ist, lassen sich Risiken kaum einschätzen – geschweige denn aktiv managen. Es geht also nicht “nur” um den Verbrauch, sondern vor allem um die strategische Einordnung dieser Ressource im eigenen Geschäftsmodell. Wenn man sich als Unternehmen dieses Risikos bewusst ist, kann man gezielt gegensteuern und konkrete Maßnahmen setzen. 

VSME als klare Guideline für Wasserkennzahlen

Der VSME als freiwilliger Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung gibt hier eine klare Guideline, was man als Unternehmen konkret beleuchten soll: wesentlich im Zusammenhang mit Wasser als Ressource sind insbesondere der Wasserverbrauch, die Wasserentnahme und vor allem, wo das Wasser entnommen wird. Genau dieser „Ort“ ist entscheidend. Denn Wasser ist regional unterschiedlich verfügbar – Stichwort Wasserstress. Wenn ich als Unternehmen Wasser in einer Region verbrauche, in der ohnehin Knappheit herrscht, entsteht ein erhebliches Risiko.

Was bedeutet aber Wasserstress konkret für ein Geschäftsmodell, etwa in der Produktion, wenn dieses stark auf Wasser angewiesen ist?

  • Operativ: Produktionsunterbrechungen bei Wassermangel
  • Finanziell: Erhöhtes Kreditrisiko und Einfluss auf Ratings
  • Reputativ: öffentliche Kritik bei Nutzung knapper Ressourcen

Und um das Thema global einzuordnen: Auch in den USA greift etwa die San Antonio Express-News die zunehmenden Risiken durch Wasserknappheit in Texas auf. Die Folge sind klare Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von höheren Betriebskosten bis hin zu notwendigen Investitionen in alternative Wasserquellen oder Effizienzmaßnahmen. Solche Risiken lassen sich nicht durch handelspolitische Maßnahmen wie Zölle lösen. Wasserknappheit ist ein physisches Risiko vor Ort – unabhängig von globalen Handelsstrukturen.

Genau deshalb ist die transparente Bewertung von Wasserverbrauch und Wasserstress auch für Finanzierungen und strategische Entscheidungen so wesentlich. Banken fragen diese Kennzahlen aktiv ab, unter anderem im Rahmen der Leitlinien der European Banking Authority zum Management von ESG-Risiken (gültig seit 09.01.2025). Der Fokus liegt dabei – ähnlich wie im VSME – auf Wasserverbrauch, Wasserentnahme und den physischen Risiken im Zusammenhang mit Wasser. 

Wie wasserabhängig ist mein Geschäftsmodell?

Die wichtigste Frage in diesem Zusammenhang, die sich Unternehmen also stellen sollten, ist: Wie wasserabhängig ist mein Geschäftsmodell?
Der erste Schritt ist ein Blick auf die eigenen Wasserkennzahlen – also Verbrauch und Entnahme. Standards wie der VSME geben hier eine klare Struktur vor, was und wie berichtet werden soll. 

Doch nicht nur der Verbrauch ist ein wichtiger Punkt, sondern auch der Ort. Regionen unterscheiden sich stark – und genau das macht den Begriff Wasserstress so relevant für Unternehmen. Selbst Österreich ist davon immer mehr betroffen – der Bericht des Standards im Mai 2026 verdeutlicht dies sehr eindrucksvoll. Zur Analyse, wo sich solche Gebiete mit erhöhtem Wasserstress befinden, gibt es verschiedene online verfügbare Tools, darunter:

Diese Tools sind ein guter Startpunkt. Ihr volles Potenzial entfalten sie jedoch erst durch die Kombination mit unternehmensinternen Daten und standortspezifischen Analysen. Erst dadurch entsteht eine aussagekräftige Bewertung der tatsächlichen Risiken. Und: wer seine Risiken kennt, kann aktiv gegensteuern und ist zukunftsfähig. Genau das ist die Zielsetzung eines Nachhaltigkeitsberichts. Wenn Sie Fragen haben, wie Sie Wasserkennzahlen für Ihr Unternehmen erheben und diese in Ihr Risikomanagement integrieren, dann kontaktieren Sie uns gerne unter office@pppartner.at oder rufen Sie uns unter +43 676 423 67 83 an.

Quellen

Der Standard (2026). „Ganz Österreich von Grundwasserständen auf Rekordtief betroffen“. Verfügbar unter https://www.derstandard.at/story/3000000319108/ganz-oesterreich-von-grundwasserstaenden-auf-rekordtief-betroffen 

European Banking Authority (2025). EBA Guidelines on Management of ESG-Risks. Verfügbar unter https://www.eba.europa.eu/activities/single-rulebook/regulatory-activities/sustainable-finance/guidelines-management-esg-risks 

San Antonio Express-News (2026). Berichte zu Wasserknappheit in Texas. Verfügbar unter https://www.expressnews.com/news/texas/article/corpus-christi-water-crisis-coastal-bend-panic-22228960.php